Der Tiroler Wintersportort Ischgl hat Wellness neu definiert. Auf vier Stockwerken in zwei Gebäuden entfaltet die Silvretta Therme Ischgl ihr Freizeit-Eldorado: Wasserwelten, Saunen, Gym und Eisbahn laden gleichermassen zum Entspannen wie Aktivsein ein. Spannende Architektur, Panoramablicke und nachhaltige Technik machen den Besuch ausserdem zu einem Erlebnis – für Kurztrips ebenso wie für längere Aufenthalte, auch aus der Schweiz.
Autor: Robert Penz
Man weiss gar nicht, wo man auf den vier Stockwerken des Freizeit-Eldorados mit dem Relaxen loslegen soll. Der Masterplan: die Silvretta Therme im Tiroler Wintersportmekka Ischgl durchzuspielen. Aber reicht die Zeit, um alle Levels zu finishen? Um Himmels willen! In einem Epizentrum der Entschleunigung sich zu Beginn selbst Druck zu machen, ist hochgradig kontraproduktiv. Mag das Angebot auch noch so gewaltig sein. Entschleunigung sollte hier nicht mit einem Plan beginnen, sondern mit dem bewussten Verzicht auf einen solchen.

Wasser in allen Facetten
Aber gehen wir wieder ein paar Schritte zurück. Noch bevor man die Garderoben der 2022 eröffneten Silvretta Therme erreicht, entfaltet ihre Architektur Wirkung. Wie eine silberne Wolke scheint das Gebäude an die Flanken des Paznaun hängenzubleiben, schmiegt es sich scheinbar selbstverständlich in die Tiroler Berglandschaft ein. Die geschwungene, champagnerfarbene Fassade – zu 90 Prozent aus recyceltem Material – nimmt das Wesen des Wassers auf, das hier in all seinen Aggregatszuständen präsent ist: flüssig, fest, gasförmig. Ebenso durchdacht zeigt sich das Lichtkonzept: Kühle Blau- und Grüntöne beleben die Wasserwelten, während in den oberen Etagen und Saunabereichen warmes, erdiges Licht eine ruhige, entspannende Atmosphäre schafft. Doch warum eine Therme dieser Grössenordnung? «Wir wollten dem Wintergast, der heute sensibler auf Wetterlagen reagiert, eine hochwertige Schlechtwetteralternative bieten», erklärt Günther Zangerl, Vorstandsvorsitzender der Silvrettaseilbahn AG und verantwortlich für die Therme.

Alles fliesst, alles ist entspannt
Mit Superlativen sollte man sparsam umgehen – doch die rund 1’000 Quadratmeter Wasserfläche dieses Entspannungsrefugiums sind schon extrem beeindruckend. «Panta rhei» – alles fliesst – scheint hier am Ufer der Trisanna die Maxime zu sein. Bevor man ein paar Längen im Sportbecken zieht, lohnt ein Abstecher ins grosszügige Erlebnisbecken, auch um die Massagedüsen und Wasserliegen zu testen. Ein besonderes Highlight dort ist die hohe, kegelförmige Whirlgrotte: Abgetrennt im Erlebnisbecken, erzeugt sie durch Strömungen und Sprudeldüsen eine Whirlpool-ähnliche Massage, die nach einem Skitag besonders wohltuend für die Beinmuskulatur ist. Entspannung findet sich zudem auf der weitläufigen Galerie über dem Poolbereich oder im separaten Ruheraum Trisanna. Generell gibt es hier reichlich Relaxzonen, Relaxte ebenso. Das 34 Grad warme, unentwegt dampfende Aussenbecken ist ein weiteres Highlight der Therme: In die eine Richtung ein pittoresker Blick auf die Berge, in die andere die Aussicht auf einen Gin-Tonic an der Poolbar, an der es immer fröhlich zugeht. Ab Mitte Februar komplettiert der Dach-Panoramapool das Angebot, mit einem ebenso imposanten Blick über Ischgl und die Silvretta-Gruppe. Wer hier kein Ferienfeeling verspürt, war noch nie in den Ferien.
Eminem und Bernie machen Dampf
Herzstück der Silvretta Therme ist der 1’500 Quadratmeter grosse Saunabereich. Die Eventsauna zieht mehrmals täglich zahlreiche Gäste an – aus gutem Grund. Jede Stunde toben sich hier zertifizierte Aufgussmeister aus, zeigen ihre Expertise. Nebel und Spannung liegen schon in der Luft, da fräst sich plötzlich das Gitarrenintro von Eminems «Lose yourself» durch die Schwüle. Saunameister Bernie taucht aus dem Dunst auf, schwingt sein Handtuch und erinnert dabei ein wenig an den die Streitaxt herumwirbelnden Azog den Schänder aus Tolkiens «Hobbit»-Trilogie. Der Sieger der «Österreichischen Aufguss Masters 2024» sowie der «Österreichischen Freestyle Master 2024 und 2025» beschert uns aber zum Glück nicht Unheil und Zerstörung, sondern eine makellose Show, fulminante Aufgüsse und die ersehnte Hitze.
Und obendrein Duftnoten von Eukalyptus, Pfeffer und Zirbe – drei der rund hundert Öle, die den Saunameistern der Silvretta Therme zur Verfügung stehen und auf den Ofen getropft werden. «You better lose yourself in the music, the moment. You own it, you better never let it go», rappt Eminem. «Geile Choreo!», kommentiert ein Saunabesucher von der oberen «Holztribüne» Bernies Treiben. Alle schwitzen zufrieden vor sich hin. Apropos: Ebenso wissen viele Thermenbesucher zu schätzen, dass sie hier auch bei Schmerzen des Bewegungsapparats oder neurologischen Problemen eine Anlaufstelle haben. In der hauseigenen Physiotherapie-Praxis geht Reto in modern-elegantem Ambiente mit Expertise zu Werke. Unweit des Eidgenossen mit den goldenen Händen lädt der Spa-Bereich zum Verweilen ein. Erneuerungs-Affine wird wohl das «Renew you!»-Paket interessieren. Wer sein Aging kurz auf Eis legen möchte, schaut in der Kältekammer vorbei.

Appetit & Ausdauer
Geniesst man in diesem Refugium zum Durchatmen in der Trattoria im Erdgeschoss Pasta oder verkostet am Panoramapool Superbes vom Holzkohle-Grill, kann man anschliessend im mit 320 Quadratmetern nicht allzu bescheiden dimensionierten Gym gleich den Verbrennungsmotor anwerfen. Alternativ lädt die 1’300 Quadratmeter grosse Eis(um)laufbahn dazu ein, den Planeten Silvretta Therme auf Schlittschuhen zu umkreisen. An dieser Stelle ein kurzer Exkurs in die Technik: Die Eisaufbereitungsanlage wurde mit Blick auf Nachhaltigkeit konzipiert und arbeitet auf Basis von umweltschonendem Kohlenstoffdioxid statt mit Ammoniak. Der Vorteil dieser Technologie? Sie liefert nicht nur Kälte für die Eisfläche, sondern auch Wärme, die optimal zurückgewonnen wird. Für die eigene Wärmerückgewinnung sei ein Jägertee in der angrenzenden Eisbar wärmstens empfohlen.
Ganzjahresziel Ischgl
Die Silvretta Therme ist aber auch in Sachen Nachhaltigkeit und Energieeffizienz vorne dabei. Schon bei der Materialwahl wurde darauf geachtet, den ökologischen Fussabdruck des Gebäudes so gering wie möglich zu halten. Für eine maximale Dämmung wurde ebenso gesorgt. «So können wir die Therme weitestgehend unabhängig von fossilen Energieträgern betreiben. Lediglich für Spitzenzeiten gibt’s ein Backup», erklärt Vorstand Zangerl. Für die Ferienregion Ischgl ist die Silvretta Therme ein wichtiger Baustein, um die Position als Ganzjahresdestination zu stärken. Davon profitieren selbstverständlich auch Schweizer Gäste, insbesondere aus der Gemeinde Samnaun, die gemeinsam mit Ischgl das Skigebiet Silvretta Arena bilden. Für Besucher aus Graubünden, der Ostschweiz oder Zürich eignet sich die Silvretta Therme sogar für einen Kurztrip oder Tagesausflug. Wer allerdings erst einmal in Ischgl ist, sollte die Gelegenheit nutzen, länger zu bleiben – denn abseits der Therme gibt es hier noch vieles zu entdecken. Aber das weiss man ja.

silvrettatherme.at