Für diese Filme wurde das Engadin böse

Wer ans Engadin denkt, der denkt an friedliche Bergtäler und feine Capuns. Im Film jedoch übernimmt die Berglandschaft mitunter die Rolle des Antagonisten. Denn Gletscher können selbst einem Sean Connery gefährlich werden.

Roland Schläfli

 

Sibirisches Bündnerland

Hinter dem Eisernen Vorhang hatten westliche Filmemacher nichts zu suchen. Weshalb es auch James Bond nicht nach Sibirien verschlug, wie uns der Film «Im Angesicht des Todes» weismachen will, sondern ins Bündnerland. Im Gebiet des Piz Bernina lieferte sich 007 eine Verfolgungsjagd im russischen Winter.

Das Snowboard war 1985 noch eine exotische Seltenheit. Auf dem Morteratschgletscher schlug dem neuartigen Skisportgerät die cineastische Geburtsstunde: Bond (Roger Moore) entkommt den Sowjets, indem er sich aus Trümmern eines Schneemobils ein Board bastelt. Dank dem Film setzte sich das Snowboard im Freestyle-Bereich durch.

Dem Vorbild von James Bond folgten später viele Freerider ©Engadin Tourismus AG

 

Flucht vor den Nazis

In «Agenten sterben einsam» gewinnen Richard Burton und Clint sozusagen im Alleingang den Zweiten Weltkrieg. Was kaum jemand weiss: Richard Burton und Clint Eastwood entkamen den Nazi-Häschern vom Flugplatz Samedan aus. Dies, weil sie sich in einer Junkers Ju-52 in die Lüfte schwingen.

Gedreht wurde 1968 in Österreich, doch als dort der Schnee ausging, wurde der Dreh nach Samedan verlegt. Dafür rekrutierte man von der Schweizer Armee den Piloten, und auch die Flugmaschine: Die «Tante Ju». Der höchstgelegene Flugplatz Europas gilt unter Piloten als besonders anspruchsvoll – und die Instrumente der Ju-52 stammten noch aus Kriegszeiten.

Der Flugplatz Samedan diente auch schon als Filmkulisse ©Engadin Tourismus.

 

Gletscherleichen der Diavolezza

Das Engadin ist bekannt als Inspirationsort berühmter Künstler. Regisseur Fred Zinnemann, kam als Feriengast in Pontresina auf die Idee zu «Five Days, One Summer»: der Fund einer Gletscherleiche sollte die Bergsteiger aus dem Gleichgewicht bringen. So wurde der Morteratschgletscher 1982 zum eiskalten Gegenspieler von Sean Connery. Es war schon starke Ironie des Schicksals, dass die Filmemacher auf der Suche nach der geeigneten Gletscherspalte tatsächlich auf eine mumifizierte Leiche stiessen.

Die SAC-Hütte auf der Diavolezza, in der Connery nächtigt, wirkt authentisch bis aufs letzte Detail. Allerdings handelt es sich um eine täuschend echte Rekonstruktion, aufgebaut in der Nähe des heutigen Berghauses Diavolezza. Der grandiosen Aussicht auf die Engadiner Höhen zog Sean Connery allerdings nach Drehschluss den Golfplatz von Samedan vor.

Dramatisch schön – Der Morteratschgletscher ist auch ein Filmstar ©Engadin Tourismus

 

Voll die Härte für Heidi 

Gleich oberhalb des Silsersees beginnt die harsche Bergwelt von Heidi. Stärker als die romantisierenden Filmadaptionen der Johanna-Spyri-Romane hielt sich die TV-Serie von 1978 stark an die Vorlage. Noch bevor die Rollen besetzt waren, wollte das passende, urtümliche Dorf gefunden werden.

Stefan Zürcher, bekannt als Location Manager der Bond-Film, fand einen abgelegenen Weiler, der seiner Vorstellung der authentischen Umgebung am nächsten kam: Grevasalvas. Resultat waren 26 Folgen eines Gassenfegers, der die harte Realität jener Tage abbildete und ans Herz ging.

 

Silsersee – Oberhalb des Silsersees beginnt die harsche Bergwelt von Heidi ©Engadin Tourismus
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