Regenerativer Tourismus dringt in die Zwischenräume vor, die bisher nur kurz grün gewaschen wurden. Feriengäste sollen Orte nicht nur schonen, sondern gestärkt zurücklassen – und dafür durchaus selbst mitanpacken.
Text: Daniela Dambach

Vorbildlich seit einem Vierteljahrhundert: die Biosphäre Entlebuch. © Schweiz Tourismus, BAFU, Renato Bagattini
Das Schlagwort der Stunde, das fast so selbstverständlich im Gepäck mitreist wie die Zahnbürste, heisst: regenerativer Tourismus. Nachhaltigkeit, «Sustainability», ist längst in aller Munde: Selbstverständlich benutzen Gäste die Handtücher mehrfach, trinken aus Glasflaschen und setzen das Kreuzchen bei der CO₂-Kompensation. Der regenerative Tourismus verspricht eine noch gründlichere Behandlung: Es geht nicht darum, weniger Schaden anzurichten, sondern mehr beizutragen. Nicht nur sparen, sondern Sinn stiften. Immer mehr Destinationen und Hotels setzen auf den Grundgedanken mit moralischem Mehrwert: Gäste sollen nicht länger reine Konsumenten sein, sondern «Komplizen des Guten», die den Ort ein bisschen besser zurücklassen als sie ihn vorgefunden haben. Doch wie gelingt es, nicht bloss die Oberfläche zu bleachen, sondern die Wurzel zu stärken?

Vom Feld auf den Tisch: das Anwesen «Ballymaloe» im Süden Irlands. © Tourism Ireland
Fussabdrücke hinterlassen, aber fruchtbare
Hotels stärken beispielsweise Land und Leute, indem sie selbst Naturschutzprojekte initiieren oder traditionelle Handwerksbetriebe einbinden, sodass ihre Gäste daran teilhaben können. Ganze Regionen sind darauf bedacht, dass der Tourismus das ökologische Konto nicht nur belastet, sondern darauf einzahlt – der «regenerative» Gast greift zugunsten des Gedeihens quasi selbst zur Giesskanne.
In der Morgenluft von Val Müstair schlüpfen Besuchende in die Stiefel für die Moor- und Wiesenpflege, auf dem Ritten buddeln Gäste des Fünf-Sterne-Hauses «Adler Lodge» in
der Erde des biologischen Gemeinschaftsgartens und das Team des Hotels «Das Rübezahl» im Allgäu pflanzt einen Baum für jeden Gast, der freiwillig auf den Zimmerservice verzichtet.
Wer nach der natürlichen auch der menschengemachten Zirkularität auf den Zahn fühlen will, kann dies beispielsweise im Südtiroler «OLM Nature Escape» tun, dem ersten vollständig energieautarken Hotel im Alpenraum.

Zirkularität findet architektonischen Ausdruck: das energieautarke «OLM Nature Escape». © Marco Zanta
Reparieren endet nicht an der Rezeption
Regenerativer Tourismus dehnt sich aus auf ganze Landstriche, was Destinationen mit Programmen wie «Swisstainable» systematisch verankern. So hat die «UNESCO Biosphäre Entlebuch» die höchste Stufe dieser Zertifizierung erreicht: Level III, leading.
Mehr noch: Sie feiert heuer ihr 25-Jahre-Jubiläum und zeigt, wie Naturschutz, Landwirtschaft und Tourismus ineinandergreifen wie Zahnräder.
Bestenfalls fühlt man sich am Ende der Ferien selbst regeneriert und lächelt bei der Abreise, sodass die Zähne hervorblitzen: Das wertvollste Souvenir liegt vielleicht gar nicht im Koffer, sondern im Zustand des Ortes, den man hinterlässt.

Regenerativer Ansatz mitten in der Stadt: das Hotel Luise in Erlangen. © Green Pearls. Hotel Luise
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Tipps für Touristen mit Tatendrang
Culinarium Alpinum, Schweiz Pflücken, probieren, anpacken: Das erleben Gäste am Fusse des Stanserhorns im ehemaligen Kapuzinerkloster «stängelnah», sei es beim Alpen-Kulinarik-Schmaus oder auf geführten Touren durch die «essbare Landschaft». culinarium-alpinum.com Ballymaloe House, Cork, Irland Hotel Luise, Erlangen, Bayern Naturresort Gerbehof, Bodensee, Baden-Württemberg |